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wie die klimakrise unsere meere zerstört

Die Klimakrise ist spürbar geworden. Ihre Auswirkungen auf die Weltmeere bleiben zunächst unsichtbar – und sind doch dramatisch.

Mutter und Kind am Meer

Spätestens in diesem Jahr haben wir alle gemerkt: Der Klimawandel ist da. Starkregen und Überschwemmungen in weiten Teilen Deutschlands, Hitzewellen in Südeuropa, und ein neuer Rekord: Der Monat Juli war der wärmste jemals gemessene Monat weltweit, berichtet die US-Klimabehörde NOAA. Welche Folgen hat das auf die Weltmeere – und damit für uns?

Die aktuelle Klimaerwärmung beträgt bereits 1,2 Grad und aller Wahrscheinlichkeit werden wir die 1,5-Grad-Marke schon 2030 knacken – und schnell darüber hinausgehen. Selbst ein Eindämmen auf 2 Grad ist momentan nur noch mit schnellen und massiven Veränderungen zu erreichen.

Welche Folgen hat die Klimakrise für uns Menschen?

Grundsätzlich ist klar: Wetterextreme nehmen zu. Hitzewellen, Regen – all das gab es schon vorher, aber Intensität und Dauer verändert sich. Biodiversität nimmt ab, Meeresspiegel steigen. Menschen werden aufgrund von Klimaveränderungen ihre Heimat verlieren. In welchem Maße all das geschehen wird, wissen wir noch nicht genau.

Platzregen
Klimakrise: Starkregenereignisse nehmen zu.

Denn das hängt zum einen davon ab, wie sich die globalen Treibhausgasemissionen entwickeln werden – also: wie schnell wir auf die Bremse drücken -; zum anderen ist unser Planet ein sehr komplexes Ökosystem mit vielen Zusammenhängen und Wechselwirkungen. Jegliche Folgen einzukalkulieren ist schwierig.

Viele Auswirkungen gelten jedoch als gesichert. Sie konnten in den vergangenen Jahrzehnten beobachtet und/oder in Laborstudien nachgestellt werden. Der Weltklimarat IPCC stellt aufgrund dieser Ergebnisse Modellrechnungen vor, die die wahrscheinlichen Auswirkungen der weiteren Temperaturerhöhung darstellt – abhängig davon, wie schnell wir es schaffen, unsere CO2-Emissionen drastisch zu senken.

Schauen wir uns hier zunächst an, welche Auswirkungen die Klimakrise auf unsere Ozeane hat.

Auswirkungen auf die Meere: Steigender Meeresspiegel

Arktisches Meereis und Gletscher schmelzen, wodurch der Meeresspiegel steigt. Diesen Prozess haben wir bereits unwiderruflich in Gang gesetzt und er hat seine eigene Dynamik entwickelt:

Zum einen wird der Meeresspiegel auch dann weiter steigen, wenn wir die globale Temperaturerhöhung auf 2 Grad eindämmen; zum anderen verläuft dieser Prozess immer schneller.

Aktuell liegt der Meeresspiegel bereits rund 20 Zentimeter höher als noch 1901. Das IPCC hat mehrere Modelle berechnet und selbst das optimistischste (und ziemlich unrealistische) geht von einem weiteren Anstieg von rund 30-50 Zentimetern bis 2100 aus. Bei stärkeren Temperaturerhöhungen kann der Anstieg bis Ende des Jahrhunderts aber auch bis zu einem Meter betragen – oder sogar noch mehr.

Durch die Erderwärmung schmelzen Gletscher und erhöhen den Meeresspiegel.

Aber auch nach 2100 wird der Spiegel weiterhin steigen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt im August 2021:

„Drastisch sind auch die langfristigen Prognosen: Über die kommenden 2000 Jahre dürfte der Meeresspiegelanstieg bei zwei bis drei Metern liegen, wenn das 1,5-Grad-Ziel doch noch erreicht wird. Im anderen Extremfall, bei kaum gebremsten Emissionen und bis zu fünf Grad langfristiger Erwärmung, könnten es bis zu 22 Meter sein.“



„Im Extremfall, bei fünf Grad langfristiger Erwärmung, könnten es bis zu 22 Meter Meeresspiegelanstieg sein.“

—Süddeutsche Zeitung

Die erste, direkte Folge ist natürlich: Große Landstriche verschwinden im Wasser. Das betrifft flache Küstenregionen, etwa in Deutschland und Polen, und bedroht ganze Länder wie Bangladesch oder Inseln wie die Malediven.

Die Menschen, die diese Regionen bewohnen, werden zu Klimaflüchtlingen. Das sind nicht nur unzählige persönliche Schicksale, sondern stellt auch die aufnehmenden Regionen und Länder vor eine Herausforderung.

Auswirkungen auf die Meere: Verlangsamung des Golfstroms

Das geschmolzene Eis aus Grönland hat jedoch noch weitere Auswirkungen: Es ist Süßwasser, hat somit eine andere Dichte als das salzige Meerwasser und trägt maßgeblich zur Verlangsamung des Golfstroms bei, der Europa mit sehr viel Wärmeenergie versorgt – ohne ihn wäre es auf unserem Kontinent rund fünf bis zehn Grad kälter.


„Ohne den Golfstrom wären die Elbmündung und die Nordsee monatelang vereist, ähnlich wie beispielsweise die Hudson Bay in Kanada, die auf demselben Breitengrad liegt“

— br.de

Wissenschaftler:innen warnen schon lange davor, dass der Golfstrom zum Erliegen kommen könnte. Neueste Ergebnisse bestätigen diese Befürchtung nicht nur, sondern gehen davon aus, dass dies schneller passieren könnte als bislang erwartet.

Was das genau für uns bedeutet, lässt sich noch gar nicht abschätzen. Möglicherweise würden uns die Hitzewellen zwar erhalten bleiben, zusätzlich aber auch starke Kälteeinbrüche auftreten. “Ein Wechsel von Trocken- und Regenzeiten in Deutschland wäre möglich. Das wäre ein großer Stresstest für die deutschen Wälder und würde die Landwirtschaft vor riesige Herausforderungen stellen – und sich damit direkt auf die Menschen auswirken”, so der Meteorologe Karsten Schwanke.

Auswirkungen auf die Meere: Steigende Temperatur

Nicht nur Luft und Erde erwärmen sich, auch die Ozeane selbst werden durchschnittlich wärmer. Das führt ebenfalls zu gravierenderen Starkwetterereignissen: „Aufgeheizte Meere neigen dazu, die Wärme über oft verheerende Stürme abzutransportieren und führen zu stärkeren Hurrikanen mit mehr Niederschlägen.“ (Quelle: www.wwf.de)

Koralle
Korallen leiden massiv unter dem Klimawandel.

Gleichzeitig hat die steigende Temperatur Auswirkungen auf das Leben im Meer: Viele Fischarten wie Makrelen und Heringe wandern beispielsweise von der Nordsee in kühlere Gewässer ab, um ihrer Nahrungsquelle – kleinen Krebstieren – zu folgen. Ihnen wiederum folgen Tiere wie Schildkröten und Seevögel.

Verändern sich die Fischbestände vor Ort, bleibt das auch nicht ohne Folgen für die Fischerei und davon abhängige Wirtschaftssektoren. Auch deshalb, weil sich in wärmerem Wasser Krankheitserreger schneller ausbreiten. Das dezimiert die Bestände von Tieren und Pflanzen zusätzlich, und kann zudem auch für den Menschen gefährlich werden.

Auch die berühmten Korallenriffe – Ökosysteme mit vielen Tier- und Pflanzenarten – leiden massiv unter den erhöhten Wassertemperaturen. Korallenriffe verlieren zunächst ihre einzigartigen Farben (das wird Korallenbleiche genannt) und sterben schließlich ganz ab. Das lässt sich auch immer wieder am berühmten Great Barrier Reef beobachten.

Die Erwärmung der Ozeane findet nicht gleichmäßig statt – vor allem die Wasseroberfläche wird wärmer und vermischt sich an manchen Orten kaum noch mit tieferen Wasserschichten. Die Folge ist Sauerstoffmangel und sogenannte „Todeszonen“, in denen kaum noch Leben möglich ist. Allein von 2008 bis 2019 ist ihre Anzahl von rund 400 auf etwa 700 angestiegen, viele davon befinden sich auch in der Nord- und Ostsee.

Auswirkungen auf die Meere: Höhere CO2-Konzentration

Nicht nur die Luft, auch die Ozeane nehmen sehr viel CO2 auf und versauern dadurch. Das wiederum greift die kalkigen Schutzhüllen von Muschel, Seesternen, Korallen und Krebsen an, deren Bestand sich reduziert.

Das ist besonders gravierend, weil sie das erste Glied einer langen Kette darstellen: Reduziert sich ihr Bestand, fällt eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Meeresbewohner aus, die wiederum als Nahrung für die nächste Gattung dienen – der endgültige Verlust an Biodiversität aufgrund der CO2-Konzentration ist also weitaus größer, und ganze Ökosysteme geraten aus dem Gleichgewicht.

Seestern
Eine erhöhte CO2-Konzentration im Wasser greift die Schutzhülle von Seesternen an.

Der Ozean als CO2-Senke

Unsere Weltmeere fungieren schon immer als CO2-Speicher: Ein Teil der Kohlenstoffdioxid-Konzentration in der Luft gelangt ins Meer, Meeresströmungen bringen das CO2 von der Oberfläche bis tief die Ozeanbecken, wo es sich anreichert.

Bislang schwächt der Ozean also die globale Erwärmung deutlich ab – mit den oben genannten Folgen für die Meeresbewohner.
Dieser Effekt ist jedoch begrenzt, die CO2-Konzentration wird eines Tages gesättigt sein. Wann dieser Punkt erreicht sein wird, ist nicht abzusehen. Klar ist jedoch: Fällt der Ozean als CO2-Speicher aus, wirken sich die ausgestoßenen CO2-Mengen noch gravierender auf die Erderwärmung aus als ohnehin schon.

FAZIT

Der Klimawandel ist heute schon spürbar, dabei erleben wir erst die Anfänge. Der massive Ausstoß an CO2 hat massive Auswirkungen auf unsere Ozeane:

– der Meeresspiegel steigt
– der pH-Wert verändert sich, die Meere versauern
– die Wassertemperatur steigt
– Meeresströmungen, wie der Golfstrom, verlangsamen sich

Diese Entwicklungen tragen massiv zu einem Verlust an Tier- und Pflanzenarten bei, bringen Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und verändern das Klima an Land. Aufgrund von Wetterextremen und Überflutungen werden Menschen ihre Heimat verlieren (Klimaflüchtlinge).

Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten, die Auswirkungen sind jedoch noch zu begrenzen – wenn Politik und Gesellschaft sofort und wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen.