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globaler Süden

Lexikon-Eintrag - Nanine Roth - Juni 18, 2022 - 2 min Lesezeit
Globaler Süden: Mumbai, Indien

Die früher benutzten Begriffe „Entwicklungsländer“ oder „Dritte-Welt-Länder“ wurden durch den neutraleren Begriff „Globaler Süden“ ersetzt.

Was bedeuten die Begriffe Globaler Süden und Globaler Norden?

Mit den Begriffen Globaler Süden und Globaler Norden wird die gesellschaftliche, politische und ökonomische Position im globalen System beschrieben. Der Globale Norden ist eine Position, die von Vorteilen bedacht ist, zum Beispiel weil Menschen als Weiße oder durch ihre ökonomischen Möglichkeiten privilegiert sind.

Warum spricht man nicht mehr von “Entwicklungsland”?

Der Begriff “Entwicklungsland” impliziert eine lineare Entwicklung, in der die westlichen Länder “weiter” sind als jene, die sich erst noch “entwickeln” müssen.

Der Begriff ignoriert (koloniale, rassistische) Ursachen und globale Zusammenhänge; er nimmt die Perspektive derer ein, die bereits “entwickelt sind” und sich selbst als erstrebenswerten Standard verstehen. Andere Länder werden somit be- beziehungsweise abgewertet. Deutlich wird das auch in den Begriffen “Erste …” bzw. “Dritte Welt”.

Ist der Globale Süden im Süden?

Die Einteilung in Globaler Süden und Globaler Norden ist nur bedingt geographisch gedacht. Es ist vielmehr ein Versuch, unterschiedliche Erfahrungen mit Kolonialismus und Ausbeutung zu benennen.
So werden zum Globalen Süden die vornehmlich Ausgebeuteten gezählt, während mit dem Globale Norden vor allem die Profitierenden gemeint sind. Konsumentinnen und Konsumenten können durch bewusste Kaufentscheidungen die Missstände zumindest abschwächen.

Innerhalb eines Landes können Menschen den unterschiedlichen Positionen zugeordnet werden. Zum Beispiel gehören die Menschen in Australien mehrheitlich dem Globalen Norden an. Die Bevölkerungsgruppe der Aborigines gehört jedoch dem Globalen Süden an.

Was hat der Kolonialismus mit den verschiedenen Positionen in der globalen Welt zu tun?

Der Globale Norden profitiert und bereichert sich bis heute durch die koloniale Vergangenheit und dem fortgeführten Erbe in der Gegenwart vom Globalen Süden.

Unter anderem durch:

Mehr als 500 Jahre zählt die bis heute andauernde Geschichte des europäischen Kolonialismus. Kolonialismus bedeutet nicht nur die Besetzung bestimmter Gebiete und deshalb ist dieser durch den Abzug auch nicht beendet. Bis zum heutigen Tag ist unser Denken und Handeln bewusst und unbewusst durch ein Wissens-, Herrschafts- und Gewaltsystem kolonialistisch geprägt.