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artenvielfalt

Lexikon-Eintrag - Nanine Roth - Juni 2, 2022 - 2 min Lesezeit
Artenvielfalt Bienen

Der Juchtenkäfer ist wohl kein Freund der Deutschen Bahn: Der schwarze, eremitisch lebende Käfer, hatte das Bauprojekt Stuttgart 21 mit maximalen Problemen um viele Millionen teurer gemacht. Naturschützer verklagten die Bahn. Im Artenschutz musste nachgebessert werden, der Käfer wurde deutschlandweit bekannt.

Wenn millionschwere Bauprojekte sehr viel teurer werden und gar zu scheitern drohen, weil ein vom Aussterben bedrohter Käfer auftaucht; fragt sich der oder die Normalbürger*in dann nicht zurecht: Warum hat Artenvielfalt so eine hohe Priorität?

Was bedeutet Artenvielfalt?

Die UN zählt die Vielfalt von Ökosystemen, die Vielfalt der Arten sowie die genetische Vielfalt innerhalb einer Art zur Biodiversität. Zur Vielfalt der Arten zählen Blauwal und Ameise genauso wie Pflanzen, Pilze und Mikroben. Jeden Tag verschwindet ein Teil dieser Artenvielfalt auf unserem Planeten. Der UN-Weltbiodiversitätsrat schätzt, dass in den nächsten Jahrzehnten bis zu einer Million Arten verschwunden sein könnte. Manche davon sogar, bevor sie überhaupt entdeckt wurden. Wir befinden uns im größten Massensterben seit den Dinosauriern.

Ist die Artenvielfalt wichtig für uns Menschen?

500 Milliarden Dollar im Jahr: Diesen Wert haben alleine Insekten für uns Menschen. Sie bestäuben weltweit drei Viertel unserer Nutzpflanzen; eine “Dienstleistung”, die unsere Nahrungsgrundlage bildet und umgerechnet diesen Wert für uns hat. Die Artenvielfalt ist wichtig für unsere Ernährung, aber auch für unsere Gesundheit. Bäume und Pflanzen versorgen uns mit Sauerstoff, lebensrettende Arzneimittel werden aus Pflanzen hergestellt. Ein Gang durch den Wald senkt nachweislich den Blutdruck und eine vielfältige Natur sorgt für einen besseren psychischen und physischen Gesundheitszustand. Ohne die Artenvielfalt in der Natur wäre unser heutiges Leben nicht möglich – und sie ist wichtig im Kampf gegen und in der Anpassung an die Klimakrise.

Warum Artenschutz?

Mit der Artenvielfalt ist es ähnlich delikat wie mit einem Turm aus Bauklötzen. Zieht man einen Klotz raus, betrifft das auch die umliegenden Klötze: Der Turm wird weniger stabil, die Balance leidet. Wenn viele Bauklötze fehlen, bricht der Turm irgendwann zusammen. Auch wir sind Bestandteil dieses Turmes. In einem Ökosystem hängt alles zusammen! Daher ist es wichtig, seltene und vom Aussterben bedrohte Arten zu schützen – auch den bedrohten Käfer im Bauprojekt oder die Eidechsen an den Bahnschienen.

Was kann ich tun für den Artenschutz?

Die Politik hat Nachhaltigkeitsstrategien, mit denen sie die Artenvielfalt erhalten möchte. Aber auch wir Verbraucher haben mit unseren Kaufentscheidungen, unserem Essverhalten und unserem Umgang mit den Ressourcen einen großen Einfluss auf den Artenrückgang – oder Arterhalt. Wer Balkon oder Garten zur Verfügung hat, kann Artenschutz praktisch umsetzen: zum Beispiel mit blühenden Kräutern für bestäubende Insekten und einem Wildbienenhotel.