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(mikro-)plastik und seine folgen

Konsum

Wäre Plastik ein Lebewesen, hätte es unseren Planeten bereits komplett besiedelt. Ganz gleich ob im tiefsten Eis der Arktis, in der Tiefsee oder im menschlichen Körper: Mikroplastik ist überall. Das vielseitige Material verpackt fast alle unsere Konsumgüter – und ist in den meisten Fällen sogar Teil des Produkts. Aber: Wie problematisch ist die Plastikflut?

Fisch in Plastik im Meer

Was ist Plastik überhaupt?

Plastik bzw. Kunststoff wird meistens aus Erdöl hergestellt. Dazu zerlegt man Rohöl in seine Bestandteile, nimmt sich einige bestimmte Moleküle heraus und modifiziert diese weiter: Je nachdem, für was das Plastik produziert wird, sind bestimmte Eigenschaften und Herstellungsverfahren wichtig: Wasserflaschen sind formbar und dünn, Styropor isoliert Wärme, synthetische Fasern können zu Kleidung verarbeitet werden. Letztlich handelt es sich aber immer um Polymere, also eine lange Kette der immer gleichen Moleküle.

Kunststoffe sind also eigentlich eine wunderbare Erfindung: Unglaublich vielseitig, günstig in der Herstellung und in den verschiedensten Lebensbereichen kaum noch wegzudenken. Da Plastik je nach Gebrauch ideal angepasst werden kann, wächst die Branche weiterhin.

Die günstige Herstellung hat aber nicht nur Vorteile: Sie macht auch das Recycling unattraktiv. Neue Kunststoffe beinhalten daher bislang nur 12 Prozent recyceltes Altplastik.

Was geschieht mit dem restlichen Plastikmüll? Ein Teil davon wird verbrannt, dabei werden jährlich weltweit mehrere Hundert Millionen Tonnen CO2 freigesetzt – diese Art der Entsorgung befeuert also den Klimawandel. Ein anderer Teil gelangt in unsere Umwelt:  Weggeworfener Plastikmüll ist leicht und wird daher vom Wind weitergetragen; oft endet die Reise im Wasser. Über Flüsse gelangt es letztlich ins Meer. Kleinste Plastikpartikel – Mikroplastik – gelangen direkt in unser Abwasser, wenn wir Synthetikkleidung waschen oder Kosmetik mit Peeling verwenden.

Warum wird nicht mehr Plastik recycelt? Zunächst einmal muss Plastik in der Gelben Tonne landen – die richtige Mülltrennung ist also wichtig. Etwa 42 Prozent dieser Kunststoffe aus privaten Haushalten werden anschließend „stofflich verwertet“, also recycelt; aus Unternehmen sind es sogar nur 34 Prozent.
Da es sich um viele verschiedene Kunststoffe handelt (PE, PET, Polyester, …), die zusätzlich unterschiedlich gefärbt und etwa mit Weichmachern behandelt sind, ist das recycelte Plastik häufig weniger wertig und nicht mehr universell einsetzbar. In ihrem zweiten Leben werden die Kunststoffe hauptsächlich für Verpackungen und im Baubereich eingesetzt.

Plastikmüll in der Tonne
Plastikmüll wird nur zu einem sehr geringen Prozentsatz recycelt.

Dennoch wäre es eigentlich nicht allzu schwer, mehr Plastik wiederzuverwerten. Dass das nicht getan wird, hat finanzielle Gründe: Es ist günstiger, Kunststoffabfälle zu verbrennen und neues Plastik zu produzieren, als bereits vorhandenes ordentlich zu recyceln. Aus umwelttechnischer Sicht macht das wenig Sinn: Die Verbrennung selbst setzt viel CO2 frei, und die dadurch notwendige Neuproduktion von Kunststoff verbraucht Öl und Energie.

Wo ist Plastik enthalten?

Es gibt viel Plastik, das sehr sichtbar in unserem Leben ist: die Vorratsdosen in der Küche, das Laptop im Büro, das Spielzeug im Kinderzimmer, das Auto in der Garage – die Liste ist lang. Dabei ist uns ein sehr großer Teil des alltäglichen Plastiks gar nicht bewusst: Etwa bei der Wärmeisolierung (Styropor!), Rohren, Lacken und Klebstoffen, und in der Elektrotechnik (Isolierungen, Gehäuse, usw.).
Kleidung wird oft aus synthetischen Fasern hergestellt, in Zahnpasta, Mascara und Duschgel ist Plastik enthalten und sogar Kaugummi besteht oft aus Kunststoffen. Vermeintliches Papier wie Kaffeefilter oder Backpapier wird durch beigefügtes Plastik modifiziert: Sie werden reißfester oder kleben nicht am Blech.
Falls du schon mal darüber gestolpert bist, dass Plastik sogar in Bier sei, ist die Antwort nicht ganz klar. Für die Herstellung wird ein Kunststoff verwendet, der jedoch vor dem Verzehr wieder herausgefiltert wird. Dennoch konnten bereits Rückstände im Bier nachgewiesen werden.

Also lieber Wasser trinken? Das wird wenig helfen, denn in einer Untersuchung des CVUA wurde bei allen 38 untersuchten Mineralwassern Mikroplastik gefunden. Besonders viel Mikroplastik ist – wenig überraschend – in PET-Flaschen, denn die Flasche selbst gibt mit der Zeit kleinste Partikel ab. Auch Getränkekartons aus Pappe sind innen mit Kunststoff beschichtet und haben daher mehr Mikroplastik.

Aber auch Flaschenwasser ist nicht frei davon. Der Unterschied ist: Mikroplastik in Glasflaschen ist nicht Ursache der Plastikflut, sondern bereits dessen Folge. Dadurch wird offensichtlich: Plastik komplett zu vermeiden, ist gar nicht mehr möglich.

Plastik in der Umwelt und im Meer

Inzwischen hat man Plastik praktisch überall gefunden: In der Arktis und der Antarktis, in den großen Nationalparks und im Grand Canyon, und in großen Mengen in unseren Ozeanen. In jedem Quadratkilometer Meer schwimmen bis zu 46.000 Plastikteile. Besonders schlimm sieht es an jenen Stellen im Meer aus, an denen verschiedene Strömungen aufeinandertreffen und zirkulieren: Inzwischen gibt es fünf Müllstrudel in den Ozeanen, die groß genug sind, um vom Weltall aus erkannt zu werden. Der größte von ihnen ist der Nordpazifische Müllstrudel, der eine Fläche von rund 1,6 Millionen Quadratkilometer bedeckt; in anderen Worten: mehr als 4 Mal so groß wie Deutschland. Ein ganzer Kontinent aus Plastikmüll.

Und dabei ist das nur der sichtbare Teil: 70 Prozent des Mülls sinkt auf den Meeresboden, etwa 15 Prozent gelangt zurück ans Land. Jeder Sandstrand ist deshalb inzwischen auch ein Plastikstrand.

Plastikmüll am Strand
Jeder Sandstrand ist ein Plastikstrand – auch wenn es nicht immer so offensichtlich ist wie hier.

Kunststoff ist grundsätzlich sehr lange haltbar, wird aber durch die Sonneneinstrahlung und die Wellenbewegungen in immer kleinere Einzelteile zerrieben: So entsteht Mikroplastik. Bis eine PET-Flasche komplett zerfallen ist, benötigt sie etwa 450 Jahre. Bis dahin ist sie gefährlich für Mensch und Tier: Viele Fische und Vögel verwechseln die Partikel mit Nahrung und verhungern daher mit vollem Magen.

Da Plastik Teil der Nahrungskette geworden ist, überrascht es nicht, dass inzwischen auch im menschlichen Darm und Blutkreislauf Mikroplastik gefunden wurde. Wie schädlich die Kunststoffe für unsere Gesundheit sind, ist jedoch noch unklar. Möglicherweise sind sie vor allem deshalb problematisch, weil sie Weichmacher, Flammschutzmittel und Farbe transportieren – diese Chemikalien sind giftig, sie können hormonell wirken und krebserregend sein.

Alternativen zu Plastik

Richtiges Recyceln ist wichtig, noch besser aber ist es, Plastik zu vermeiden. Die Supermarkt-Tüte hat inzwischen (zu Recht) einen schlechten Ruf, und auch Obst und Gemüse gibt es inzwischen in vielen Supermärkten unverpackt. Zudem gibt es inzwischen in vielen Märkten Mehrweg-Netze, die problemlos vielfach verwendet werden können.

PET-Flaschen sind ein wichtiger Faktor: Gute Alternativen sind entweder Glasflaschen oder Leitungswasser, das mittels Wassersprudlern wie z.B. Sodastream* leicht aufbereitet werden kann.

Ob Kinderspielzeug oder Kochlöffel: Oftmals ist Holz eine umweltfreundlichere und wertigere Alternative.

Eine wunderbare Alternative zu Plastikwindeln sind Stoffwindeln. Hier gibt es eine Vielzahl an Systemen, die genauso schnell und leicht zu handhaben sind wie die Einwegprodukte. Neben der Müllvermeidung haben Stoffwindeln auch noch weitere positive Effekte; sie fördern beispielsweise, dass Kinder früher trocken werden.

Plastikflasche in der Hand
Es gibt sehr oft Alternativen zu Plastik.

Seife*Shampoo* und Duschgel* gibt es auch ohne Plastikverpackung in fester Form, Putzmittel kann auch wunderbar selbst hergestellt werden.

Statt Einweg-Binden und Tampons können auch waschbare Stoffbinden und eine Menstruationstasse* verwendet werden: Die einmalige Anschaffung spart unglaublich viel Müll und wird von vielen Frauen nach kurzer Eingewöhnungszeit als hygienischer empfunden. 

Ganz toll sind auch Stoffservietten und Stofftaschentücher* statt Papiertaschentücher: Letztere sind nicht nur in Plastik verpackt, sondern enthalten auch Kunststoff als Bindemittel.

Für vorhandene Kleidung, die synthetische Fasern enthält, bietet sich Guppyfriend an: Ein Wäschebeutel, der die sich lösenden Plastikpartikel auffängt und verhindert, dass diese ins Abwasser gelangen. Also eine Art Filtersystem für die Waschmachine – eine geniale Idee!

Vor Ort kaufen statt online: Wer im Einzelhandel einkauft, spart oft auch Verpackungsmüll ein. Aber Achtung: Sehr viel Mikroplastik entsteht durch Reifenabrieb, eine Spazierfahrt für einzelne Produkte ist also (nicht nur unter diesem Aspekt) nicht sinnvoll. In Kombination mit dem Einkauf, der ohnehin stattfindet, lohnt sich jedoch der verpackungsarme Kauf vor Ort.

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